Warum Sie einen VPN brauchen

Warum Sie einen VPN brauchen

  • 11. März 2018

Ein Virtual Private Network, oder auch VPN, kann Ihnen dabei helfen Ihre Online-Anonymität zu wahren und Sie vor Datenklau und Spionen zu schützen.

Wenn Sie einmal bedenken, wie viel von Ihrem Leben über das inhärent unsichere Internet übertragen wird, empfinden Sie wohlmöglich ein schleichendes Gefühl von Angst. Das ist durchaus vernünftig, wenn man bedenkt, welche Kräfte gegen Ihre Privatsphäre eingesetzt werden. Eine der besten Möglichkeiten, Ihre Daten zu sichern, ist die Verwendung eines Virtual Private Network (VPN). Es bietet zudem auch eine gewisse Kontrolle darüber, wie (bzw. als wer) Sie online identifiziert werden.

Was ist ein VPN und wie funktioniert es?

Einfach ausgedrückt, ein VPN erstellt einen virtuellen verschlüsselten Tunnel zwischen Ihnen und einem abgelegenen Server, welcher von einem VPN-Dienst betrieben wird. Der gesamte externe Internetverkehr wird durch diesen Tunnel geleitet, sodass Ihre Daten vor neugierigen Blicken geschützt sind. Und das Beste daran: Ihr Computer erscheint mit der IP-Adresse des VPN-Servers, wodurch Ihre Identität verschleiert wird.

Wenn Ihre Daten den VPN-Server erreichen, gelangen sie ins öffentliche Internet. Auch wenn die Website, auf die Sie zusteuern, HTTPS verwendet, um die Verbindung zu sichern, sind Sie trotzdem abgesichert. Aber selbst wenn sie abgefangen wurden, ist es schwierig, die Datenspur zu Ihnen zurückzuverfolgen, da sie eben von dem VPN-Server kommen.

Um den Wert eines VPNs zu verstehen, ist es hilfreich, sich einige spezifische Szenarien vorzustellen, in denen ein VPN verwendet werden könnte. Denken Sie an öffentliche Wi-Fi-Netzwerke, z.B. in einem Café oder Flughafen. Normalerweise können Sie sich ohne weitere Überlegungen an diese verbinden, aber wissen Sie, wer den Verkehr in diesem Netzwerk beobachten könnte? Können Sie sich überhaupt sicher sein, dass das Wi-Fi-Netzwerk das Netzwerk des jeweiligen Cafés oder Restaurants ist, oder könnte es vielleicht sogar von einem Betrüger betrieben werden, der Ihre persönlichen Daten sucht? Denken Sie an all die Passwörter, Bankdaten, Kreditkartennummern und einfachen private Informationen, die Sie jedes Mal übermitteln, wenn Sie online gehen.

Wenn Sie sich über einen VPN mit dem selben öffentlichen Wi-Fi-Netzwerk verbinden, können Sie sicher sein, dass niemand in diesem Netzwerk Ihre Daten abfangen kann - weder andere Benutzer, die nach potenziellen Opfern suchen, noch die Betreiber des Netzwerks selbst. Der letzte Punkt ist besonders wichtig, denn es ist sehr schwer zu sagen, ob ein Wi-Fi-Netzwerk das ist, was es zu sein scheint. Nur weil es „Starbucks-WiFi“ heißt, bedeutet das noch lange nicht, dass es wirklich einer weltbekannten Kaffeekette gehört.

Ein weiteres Beispiel, das den Wert von VPNs verdeutlicht, ist die Nutzung dieser Dienste für den Zugriff auf blockierte Websites. Einige Regierungen haben entschieden, dass es in ihrem Interesse liegt, bestimmte Websites für den Zugang durch ihre Bevölkerung zu sperren. Mit einem VPN können diese Personen ihren Webverkehr sicher über ein anderes Land mit vorteilhafteren Richtlinien tunneln lassen und auf Websites zugreifen, die andernfalls blockiert wären. Und da VPNs oftmals Ihren Datenverkehr verschlüsseln, hilft es, die Identität von Personen zu schützen, die sich auf diese Weise mit dem offenen Internet verbinden. Ohne diesen Schutz könnten solche Menschen sehr schnell in Konflikt mit der Staatsgewalt kommen.

In den meisten Fällen sind die VPN-Clients für Windows und MacOS identisch und einfach in der Handhabung. Für mobile Geräte ist die Situation leider etwas schwieriger. Die meisten Unternehmen bieten VPN-Applikationen für Android und iOS an, was großartig ist, weil die meisten von uns genau diese Geräte benutzen um sich ständig mit dem Wi-Fi zu verbinden.

Die Drei-Buchstaben-Bedrohungen

Unter den Feinden der Meinungsfreiheit und der Privatsphäre gibt es zwei Gruppen mit drei Buchstaben, um die man sich besonders kümmern muss: die NSA (National Security Agency der USA) bzw. der BND (in Deutschland) und ISP (Internet Service Provider, z.B. die Telekom).

Durch die jahrelange Berichterstattung und die Leaks von Snowden wissen wir jetzt, dass der Überwachungsapparat der NSA einen enormen Umfang hat. Die Agentur ist in der Lage, nahezu jede Übertragung, die über das Internet gesendet wird, abzufangen und zu analysieren. Es gibt atemberaubende Geschichten über geheime Räume in Dateninfrastruktur-Hubs, von denen aus die Agentur direkten Zugang zum schlagenden Herzen des Internets hat. Mit einem VPN können Sie sicher sein, dass Ihre Daten verschlüsselt und schwerer auf Sie zurückverfolgbar sind. Angesichts der Massenüberwachung der NSA und anderer ist es eine gute Sache, mehr Möglichkeiten zur Verschlüsselung Ihrer Daten zu haben.

Möglicherweise ist Ihr ISP bereits an einigen dieser Spionageoperationen beteiligt, aber es gibt ein noch größeres Problem. Die USA haben vor kurzem die Regeln der Obama-Ära zurückgenommen, welche die Netzneutralität schützen sollten, und es dabei den ISPs erlaubt, von Ihren persönlichen Daten zu profitieren. Die ISPs wollten ein Stück von diesem großen Datenmonetarisierungskuchen abhaben, der das Wachstum von Unternehmen wie Facebook und Google beflügelt hat. Diese Unternehmen sind in der Lage, riesige Mengen an Informationen über die Nutzer zu sammeln und zu selber nutzen, indem z.B. Werbung gezielt an den Nutzer angepasst wird, oder sie verkaufen die Daten einfach an andere Unternehmen, damit diese sie dann nach ihrem Gusto nutzen können. ISPs haben jetzt grünes Licht für die Bündelung anonymisierter Benutzerdaten und stellen diese heute schon zum Kauf zur Verfügung.

Obwohl es stimmt, dass Unternehmen wie Google und Facebook Geld mit Ihrem Nutzungsverhalten verdienen, sind Sie nicht unbedingt gezwungen, diese Dienste zu nutzen. Wenn Sie sich plötzlich dazu entschließen, Facebook o.Ä. nicht mehr zu benutzen, verpassen Sie vielleicht süße Haustierfotos und politische Schimpfwörter von Ihren Freunden und Familie, aber Sie könnten trotzdem ein anständiges und vielleicht sogar besseres Leben führen. Sie könnten sich sogar dafür entscheiden, die Googlesphäre vollständig zu umgehen, indem Sie das datenschutzbewusste DuckDuckGo für Ihre Websuche verwenden, oder den von Google unterstützten Browser Chrome für den gemeinnützigen Firefox fallen lassen.

Leider haben Sie nicht die gleichen Wahlmöglichkeiten wenn es um Ihren ISP geht - die Tür in die Unendlichkeit des Internets. Es gibt zwar Alternativen zu Google und Facebook, aber die meisten Menschen haben nur begrenzte ISP-Alternativen. In einigen Gebieten gibt es nur einen ISP, der einen kabelgebundenen Internetzugang anbietet. Das macht die jüngsten Änderungen, die es ISPs ermöglichen, Daten von ihren Kunden zu verkaufen, umso beunruhigender. Es ist eine Sache, sich für ein Schattensystem zu entscheiden, aber eine ganz andere, keine andere Wahl zu haben.

Was ein VPN nicht tun wird

Wir weisen darauf hin, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, wie Ihr Onlineverhalten verfolgt werden kann - sogar mit einem VPN. Dinge wie Cookies erlauben es Webservices (z.B. Amazon, Google, Facebook, etc.), Ihre Internetnutzung, auch nachdem Sie ihre Seiten verlassen haben, zu verfolgen.

VPNs anonymisieren Ihre Online-Aktivitäten auch nur so sehr, wie sie selber darauf achten (z.B. durch das Löschen von Cookies). Wenn Sie wirklich anonym im Web surfen und auf das dunkle Web zugreifen wollen, sollten Sie „Tor“ benutzen. Im Gegensatz zu einem VPN, wird der Datenverkehr von Tor durch mehrere Serverknoten geleitet, was die Rückverfolgbarkeit erheblich erschwert. Tor wird von einer Non-Profit-Organisation verwaltet und kann kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Einige VPN-Dienste stellen sogar eine Verbindung zum Tor-Netzwerk über einen VPN her, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten.

Es ist erwähnenswert, dass die meisten VPN-Dienste keine philanthropischen Organisationen sind, die zum Wohle der Allgemeinheit arbeiten, sondern gewinnorientierte Ziele verfolgen. Das bedeutet, dass sie ihre eigenen Rechnungen zu zahlen haben, und auf Vorladungen und Haftbefehle reagieren müssen. Sie müssen sich auch an die Gesetze des Landes halten, in dem sie ihren offiziellen Wohnsitz bzw. ihre Server haben.

Deshalb ist es auch so immens wichtig, die Datenschutzbestimmungen der VPN-Dienste zu lesen und herauszufinden, wo sich der Hauptsitz eines VPN-Unternehmens befindet. NordVPN, zum Beispiel, operiert von Panama aus und unterliegt keinen Gesetzen, die die Aufbewahrung von Benutzerdaten vorschreiben.

Es kann heikel werden, wenn es darum geht, einem VPN zu vertrauen. Kürzlich erst übergab der Dienstleister PureVPN Log-Informationen an Bundesermittler weiter, welche an einem Fall gegen einen Cyberstalker arbeiteten. Einige waren überrascht, dass das Unternehmen Informationen zur Verfügung stellte oder dass es überhaupt mit den Ermittlern kooperierte. Es scheint wohl so, dass PureVPN innerhalb der Grenzen seiner eigenen Datenschutzerklärung geblieben ist.

Es ist leicht, sich das das perfekte, magische Werkzeug zu wünschen, das Sie vor allen möglichen Bedrohungen schützt. Aber die Wahrheit ist, dass, wenn es jemand genau auf Sie abzielt und bereit ist, alle Bemühung auf sich zu nehmen, er früher oder später auch erfolgreich dabei sein wird. Ein VPN kann z.B. durch Malware auf Ihrem Computer überlistet werden, oder durch die Analyse von Verkehrsmustern, um die Aktivität auf Ihrem Computer mit der Aktivität auf dem VPN-Server gegenüberzustellen. Eines jedoch bleibt gewiss: Durch den Einsatz von Sicherheitstools wie einem VPN stellen Sie sicher, dass Sie kein leichtes Ziel sind und dass Sie der Massenüberwachung einen Riegel vorschieben.

Die Komplikationen der Privatsphäre

Wir lehnen den Gedanken entschieden ab, dass Sicherheit und Komfort zwangsläufig im Widerspruch zueinander stehen. Es gibt jedoch einige erwähnenswerte Komplikationen, die sich aus der Nutzung eines VPN ergeben. Das sind keine Deal-Breaker, aber man muss sie sich vergegenwärtigen.

Chromecast und andere Streaming-Gerätschaften senden Daten über Ihr lokales Netzwerk, was allerdings ein Problem darstellt, wenn Sie einen VPN verwenden. Wenn Sie die Daten, die von Ihrem Laptop kommen, verschlüsseln, wird Ihr Chromecast, AppleTV oder FireTV-Stick keine Ahnung haben, was damit zu tun ist. Ebenso können Smart-Home-Geräte viele Daten über Sie und Ihr Zuhause sammeln, die Sie lieber nicht preisgeben sollten. Leider können diese Geräte nicht von sich aus über VPNs betreiben werden. Die Lösung für beide Probleme besteht darin, die Sicherheit durch die Installation eines VPN auf Ihrem Router zu erhöhen. Dadurch werden die Daten aller angeschlossenen Geräte verschlüsselt, während sie Ihre Heiminstallationen in das wilde Web lassen. Informationen, die innerhalb Ihres Netzwerks gesendet werden, sind schön unverschlüsselt und alle intelligenten Geräte, die mit Ihrem Netzwerk verbunden sind, genießen eine gesicherte Verbindung.

Mögen Sie Netflix oder Amazon Prime? Schade, denn beide Dienste hassen VPNs. Das Problem ist, dass sich die Dienste in England, den USA, Deutschland, Australien usw. voneinander unterscheiden. Nur weil Sie Ihren Favoriten in einem Land sehen können, heißt das nicht, dass Sie ihn in einem anderen Land sehen können. Die Unternehmen verfügen über ein komplexes globales Netz regionaler Lizenzvereinbarungen und haben ein sehr reales Interesse daran sicherzustellen, dass die daraus resultierenden Einschränkungen nicht umgangen werden.

Um sicherzustellen, dass Sie nicht auf Streaming-Inhalte zugreifen können, die nicht für Ihre Region lizenziert sind, blockieren Netflix, Amazon Prime und ähnliche Dienste die meisten VPNs. Einige VPN-Dienste arbeiten jedoch hart daran sicherzustellen, dass ihre Kunden weiterhin Filme und Fernsehsendungen streamen können. Es ist so etwas wie ein Katz-und-Maus-Spiel, und ein VPN, das heute z.B. mit Netflix funktioniert, könnte es morgen schon nicht mehr.

Ebenso würden sich viele VPN-Unternehmen lieber nicht mit den rechtlichen Folgen der Nutzung ihrer Dienste für den Download über BitTorrent auseinandersetzen wollen. BitTorrent ist natürlich nicht von Natur aus illegal, aber es wird oft dazu verwendet, urheberrechtlich geschütztes Material herunterzuladen und zu teilen. Einige VPN-Unternehmen verbieten BitTorrenting gänzlich auf ihren Servern, während andere die Nutzung auf bestimmte Server beschränken.

Ein weiteres großes Problem bei VPNs ist ihre Geschwindigkeit. Letztendlich lässt ein VPN Ihre Internetverbindung aber auch durch viel mehr Schleifen springen als üblich. Im Allgemeinen wird die Verwendung eines VPN Ihre Latenz (bzw. Ihren "Ping") erhöhen und die Geschwindigkeit, mit der Sie Daten hoch- oder herunterladen, verringern. Es ist sehr schwierig zu sagen, welches VPN die geringsten Auswirkungen auf Ihr Onlineverhalten hat, da jeder von uns einigermaßen einzigartig in seinem Verhalten und Standort ist.

Schützen Sie sich mit einem VPN

Als das Internet noch in seinen Kinderschuhen steckte, gab es nicht viele Bedenken bzgl. der Sicherheit und Privatsphäre. Anfangs war es nur ein Haufen gemeinsam genutzter Computer in Forschungseinrichtungen und deren Rechenleistung war so begrenzt, dass jedwede Verschlüsselung die Sache extrem erschwert hätte. Der Fokus lag eher auf Offenheit als auf Verteidigung.

Heutzutage haben die meisten von ihnen gleich mehrere Geräte, die sich mit dem Internet verbinden. Jedes von ihnen (sogar die intelligente Kaffeemaschine) ist wesentlich leistungsfähiger als die Top-Computer der Anfangszeit, aber das Internet an sich hat sich nicht grundlegend verbessert. Bedenken Sie, dass sich der heute übliche HTTPS-Standard erst in den letzten paar Jahren sein Nischendasein verlassen hat und allgemein verbreitet wurde.

Das bedeutet, dass es leider Sache jedes Einzelnen ist, sich selbst zu schützen. Antivirensoftware und Passwortmanager tragen wesentlich dazu bei, dass Sie sicherer sind, aber ein VPN ist ein einzigartig leistungsstarkes Tool, das Sie unbedingt in Ihrer persönlichen Sicherheitskiste haben sollten. Besonders in der heute so vernetzten Welt. Ob Sie sich nun für einen kostenlosen Service entscheiden oder sogar mit einem verschlüsselten Router All-in gehen, es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie eine Möglichkeit haben und sie nutzen, Ihren Internetverkehr zu verschlüsseln.

In unserem Buch Steuerfrei. Globalisiert. Unantastbar. finden unsere Leser ein gründlich ausgearbeitetes Kapitel rund um das Thema Sicherheit. Wir geben ihnen das Wissen und konkret anwendbare Lösungswege für ihre individuelle Situation. Des Weiteren finden sie dort auch eine Reihe an zuverlässigen Kontakten, welche ihnen auf diesem Weg mit Rat und Tat zur Seite stehen - und dem Prozess sogar einen Geschwindigkeitsschub verleihen können.

Herzlichst,

Ihr Economic-Tourist Team

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